Einträge mit dem Tag ‘Wertschätzung’

Über den Wert von Wertschätzung in PR-Agenturen } 29.04.09

Es ist an der Zeit, den Blick einmal auf die Welt der PR-Agenturen zu richten. In den letzten Wochen kommen mir noch ungeheuerlichere Geschichten als eh schon zu Ohren. Hinter den Kulissen wird an Standortschließungen, Mitarbeiterabbau und Kostenreduktion gefeilt. Gleichzeitig formieren sich Mitarbeiter mit Hilfe ihrer Anwälte und des Betriebsrates. Wenn es denn einen gibt. Darüber hinaus prognostizieren Mitarbeiter verschiedener renommierter Agenturen die Insolvenz ihres Arbeitgebers binnen der nächsten sechs Monate. Traurig und hoffentlich nicht wahr.

Umso besser ist es, dass es auch jetzt in Krisenzeiten noch Agenturen gibt, die Positives zu vermelden haben. Für mich war es interessant, diese Erfolgsgeschichten näher zu beleuchten. Was machen erfolgreich wachsende Agenturen anders als herkömmliche Agenturen? Was kann man von ihnen lernen?

In einer Interviewreihe habe ich sechs Geschäftsführer nach den Faktoren ihres Unternehmenserfolges befragt. Ergebnis ist, dass soziale Prozesse und Wertschätzung den Unterschied machen. Ein ausführliches Thesenpapier steht beim PR Report zum Download bereit.

Für diejenigen, die keine Zeit zum Lesen haben, hier eine kurze Übersicht zur PR-Agentur der Zukunft:

Herkömmliche PR-Agentur PR-Agentur der Zukunft
Vertikales Management mittels Dekret Horizontale Führung und Entwicklung
Quantitative Ziele dominieren. Qualitative Ziele leiten.
Geschäftsführung gibt Antworten vor. Geschäftsführung stellt Fragen.
Mitarbeiter nehmen Informationen entgegen. Mitarbeiter entwickeln mit.
Mitarbeiter setzen um. Mitarbeiter unternehmen.
Führungskräfte verwalten Ergebnislisten. Führungskräfte stimulieren Ideen.
Mitarbeiter in Dauer-Meetings Mitarbeiter in Workshops
Mitarbeiter werden verwaltet. Talente werden entwickelt.
60-Stunden-Wochen Zeit für Reflexion
Regeln, Kontrolle, Missachtung Freiräume, Vertrauen, Wertschätzung
Mitarbeiter als Maschine Wissensarbeiter
Kunden, die zahlen, bestimmen. Kunden, die gut tun, bestimmen.
Intransparente Finanzen und Gehälter Transparente Finanzen und Gehälter

Maren Hessler

Anarchistische Revolution!? } 31.03.09

Vorletzte Woche waren mein niederländischer Kollege Joseph Kessels und ich zu einer Führungskräfteklausur eines strikt hierarchisch organisierten Unternehmens eingeladen. Man versprach sich von uns Impulse zu innovativen Formen des sich Organisierens. Gleichzeitig hatte man ein wenig Sorge, wir könnten eine anarchistische Revolution auslösen. Der brand eins Artikel über uns ließe so etwas vermuten. Schließlich sind wir “eine Unternehmensberatung, die für die Abschaffung von Management und Hierarchien” (Zitat brand eins) steht. Die erste Frage einer Führungskraft war verständlich wie konsequent: „Mal im Ernst. Wie soll hierarchieloses Arbeiten Ihrer Meinung nach in einer großen Firma wie unserer funktionieren?“

Hierzu Joseph Kessels:

„Ich bin überrascht, dass der Fokus auf diesen Äußerlichkeiten liegt. Für mich geht es darum, wie wir als Wissensarbeiter eine gute Arbeitsumgebung gestalten können. Menschen benötigen Freiräume für ihre Kreativität und die Möglichkeit, auf Augenhöhe mit zu entscheiden. Besonders junge Menschen haben kein Interesse mehr daran, Gehorsam zu üben. Macht, Arroganz und Ignoranz sind nicht mehr attraktiv für sie. Deshalb ist es eine wirtschaftliche Notwendigkeit, dass wir in Zeiten der Wissensöknomie, Arbeit nicht mehr wie Fabrikarbeit organisieren.”

Und weiter:

“Ich mache mich für eine Arbeitsumwelt stark, in der es Raum für gegenseitigen Respekt und Wertschätzung, Anerkennung fachlicher Qualifikationen und den Aufbau starker Persönlichkeiten und ihrer Beziehungen gibt. Es ist eine logische Konsequenz, dass sich diese Haltung auf die wirtschaftlichen Ergebnisse auswirken wird.”

Wie geht das in der Praxis?

Einer, der den Gedanken der Demokratisierung am Arbeitsplatz konsequent durchzieht, ist Ricardo Semler. Der Österreicher hat sein Unternehmen Semco in Sao Paulo vor 25 Jahren zur hierarchiefreien Zone erklärt. Seitdem ist der Umsatz von 4 Millionen auf 1 Milliarde US-Dollar und die Mitarbeiterzahl von 90 auf 5.000 gestiegen.

Einige seiner Prinzipien sind:

  • Mitarbeiter bestimmen ihr Gehalt und ihre Ziele selbst.
  • Neue Kollegen werden von verschiedenen Mitarbeitern interviewt, bevor sie eingestellt werden.
  • Mitarbeiter wählen ihre Führungskräfte aus.
  • Es gibt keine festen Arbeitsplätze. Jeder soll die Freiheit haben, selbst zu entscheiden, wann sein Tag beginnt.

Semler ist Autor einiger Bestseller, wie z.B. The Seven Day Weekend oder Das Semco System, die ich hier in Kürze vorstellen werde.

Bei soviel Nähe zueinander ist es wohl auch kein Wunder, dass Joseph Kessels das Vorwort zu einem von Semcos Büchern verfasst hat, als es in den Niederlanden erschien.

Maren Hessler

Equal Pay Day } 23.03.09

Ein exzellentes und ein sehr böses Video aus den Niederlanden zum Thema Lohngerechtigkeit:

Fakt ist in Deutschland: Frauen verdienen durchschnittlich 22-23% weniger als ihre männlichen Kollegen. Um auf diese Benachteiligung aufmerksam zu machen, hat am vergangenen Freitag zum zweiten Mal der Equal Pay Day in Deutschland stattgefunden. Die Idee stammt aus den USA.

Sarkasmus pur…

Maren Hessler