Einträge mit dem Tag ‘Mitarbeiterführung’

Opfer sein ist nicht schwer, mutig sein dagegen sehr. } 20.04.09

Mindestens einmal in der Woche führe ich diese Art von Telefongespräch. Da ruft eine Freundin an und klagt über die unmenschlichen Bedingungen am Arbeitsplatz. Inkompetente Chefs, Machtspiele, Kontrollen, keine Wertschätzung. Eben die ganze Klaviatur der altbewährten Managementhierarchie.

“Was wäre eine gute Lösung?”, frage ich und erhalte eine klare und deutliche Antwort: “Kündigen und das machen, worauf ich Lust habe.” Aha. Und warum haben dann so wenige den Mut, die Kündigung auf den Tisch zu legen? Oder zumindest die Opferrolle zu verlassen und klar und deutlich im Unternehmen Position zu beziehen und somit selbst auf die Arbeitsbedingungen einzuwirken? Etwas zu verändern? Da kommen dann ganz schnell die Sachzwänge ins Spiel oder Argumente wie: “Wenn ich was sage, fliege ich raus.” Ja, und?

 

Alle wünschen sich mehr Freiheit in der Festanstellung, aber offensichtlich weiß keiner, wie das funktionieren kann. Der Journalist Markus Albers skizziert in seinem Buch “Morgen komm ich später rein” eine neue Arbeitswelt, die hier und da schon begonnen hat und in der Freiheit und Vertrauen vorherrschen.

Ich frage mich, warum diese neue Arbeitswelt noch so viel Ängste - sowohl bei Arbeitnehmern als auch bei Arbeitgebern - hervorruft. Sie hat aus meiner Sicht nur Vorteile. Denn wenn Mitarbeiter einen gewissen Grad an Emanzipation, Freiheit und Vertrauen haben, wird Wissen freigesetzt. Allerdings funktioniert dies nicht in der traditionellen Form der Managementhierarchie (s. oben).

In dem System haben sich nämlich alle daran gewöhnt, dass das Management die Entscheidungen trifft. Dies hat zur Folge, dass Mitarbeiter keine Verantwortung für ihre Arbeit übernehmen und Wissen brach liegt. So lernen Mitarbeiter, dass das Unternehmen nicht an ihrer Eigeninitiative interessiert ist. Schlau wäre es, es anders herum zu machen und Mitarbeiter mit einzubeziehen.

Ein gutes Zeichen ist, dass gerade jetzt in der Krise immer mehr Unternehmen umdenken (müssen), Veränderungsprozesse einleiten und mit neuen Organisationsformen experimentieren. Das sehe ich an meiner Auftragslage. Ein schlechtes Zeichen ist, dass es immer noch zu viele “Bürosklaven” gibt, “die Opfer eines Lebens- und Arbeitsstils sind, den es eigentlich gar nicht mehr geben müsste” (Markus Albers). Das sehe ich an den Anrufen meiner Freundinnen und den Gesprächen im Freundeskreis.

Was tun?

Unzufriedene Bürosklaven oder -opfer sollten folgende Fragen einmal ganz ehrlich beantworten:

1. Was wäre der Vorteil, wenn ich so weiter lebe und arbeite?

2. Wie könnte eine Lösung aussehen?

3. Welchen Preis hätte es, diese Lösung zu leben?

Danach bitte “Morgen komm ich später rein” lesen und im besten Fall “dem Bürotrott auf Wiedersehen sagen” (Markus Albers). Denn auch ich bin der festen Überzeugung, dass uns ein fundamentaler Shift im Arbeitsleben bevorsteht. Es wird mehr Freiheit geben (müssen). Nicht jeder wird gut mit ihr umgehen können. Wichtig ist aber vor allem, den Mut zu haben, diese Freiheit einzufordern und zu geben.

Maren Hessler