Archiv für ‘Lesenswertes’

Revue für postheroisches Management } 02.10.09

Postheroisches Management

Wer sich ein wenig intensiver mit dem Denken und Handeln der Vertreter neuerer Systemtheorien beschäftigen möchte, dem lege ich die Zeitschrift “Revue für postheroisches Management” ans Herz.

Ansatz ist es, Managementlehre und Praxis auf Augenhöhe zu bringen, neugierige Fragen, wie z.B. “Wie viel Klugheit steckt selbst in einem schlechten Management? Woran hat sich ein schlechter Manager, ein schlechtes Management, offensichtlich mit Erfolg bereits angepasst?” zu stellen und somit neue Impulse und Perspektiven zu geben.

Die Lektüre ist sehr anspruchsvoll und gerade deswegen ein guter Wegweiser für die Zukunft. Die Macher der Revue sind “die üblichen Verdächtigen” des Management Zentrums in Witten (MZW) - sprich Fritz B. Simon, Dirk Baecker, Rudolf Wimmer u.a.. Die Revue erscheint zeimal im Jahr, im März und September.

Zur Einstimmung ein paar Zitate von Dirk Baecker, Inhaber des Lehrstuhls Kulturtheorie und -analyse an der Zeppelin University (ZU) in Friedrichshafen und Autor des Buches Postheroisches Management :

“Vom postheroischen Management sprechen wir, weil das Heroische darin bestand, zugunsten des Gewinns von Tragik und von Komik an den einmal gesetzten Unterschieden festzuhalten. Held ist, wer entweder beeindrucken triumphiert oder großartig scheitert. Alle anderen sind bloß Beobachter, die dem Weltenlauf nichts hinzuzufügen haben, sondern allenfalls die anfallenden Arbeiten erledigen.”

“Im postheroischen Management werden die Beobachter aus ihrer passiven Rolle befreit. Sie werden zu Akteuren. Jeder ihrer Arbeitsschritte ist eine Entscheidung. Helden stören dabei nur. Helden sind Leute, die den Blick für die Gegenwart scheuen und sich stattdessen auf ihre Zukunft, ihre glorreiche Zukunft, konzentrieren.”

“Wir suchen nach einem Management, das in der Lage ist, der Gegenwart und ihren strategischen Möglichkeiten nicht auszuweichen, sondern sich ihr zu stellen.”

In diesem Sinne verabschiede ich mich mit der September-Revue ins Wochenende. Glücklich und dankbar darüber, dass meine Zeit als PR-Heldin im Kreise vieler anderer PR-Helden hinter mir liegt.

Maren Hessler

Verwandtes Denken und Inspiration } 14.03.09

Lesen ist für mich ein sehr wichtiger Zugang zu Inspiration. Und an dieser Stelle muss unbedingt brand eins erwähnt werden. Seit der Ausgabe 5/2002 beziehe ich nun das Wirtschaftsmagazin und bin immer noch begeistert. Was begeistert mich an brand eins?

  • Die Positive Einstellung gegenüber gesellschaftlichen Entwicklungen. Die Antwort und die Haltung auf die Herausforderungen unserer Zeit, wie ich sie aus den Ausgaben lese, ist Innovation, Mut und Kreativität.
  • Themen werden aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.
  • Geschichten und Portraits sind ein wichtiger Bestandteil jeder Ausgabe - sehr inspirierend!
  • Es wird kontinuierlich an neuen Ansätzen und Alternativen “gebastelt”. Stichwort : “Welche Wirtschaft wollen wir haben?”
  • Das Unternehmen selbst ist sehr innovativ.

Dies sind einige Gründe, warum brand eins für mich so attraktiv und inspirierend ist. Wer einen frischen und manchmal auch überraschend anderen Blick auf die Wirtschaft werfen möchte, dem sei dieses Magazin empfohlen.

Hier ein Beispiel aus der aktuellen Ausgabe (März 2009 Seite 51/52). Dort wird die Wiener Beraterin Roswita Königswieser zitiert:

“Es geht hier darum, von welcher Seite man das System betrachtet”, sagt sie und macht drei große Gruppen aus: “Die einen, die nur jammern - aber das haben die immer getan. Dann die, die alles verdrängen, auch die Notwendigkeit, sich jetzt zu verändern und den Wind des Wandels zu nutzen. Und schließlich die, die heute Grundlagen für eine bessere Wirtschaft schaffen. Das sind Leute, die sagen: Jetzt wird’s erst richtig spannend. Jetzt haben wir die Chance zu zeigen, wie gut wir sind. Das sind eben nicht die, die die Krise heute als Ausrede dafür missbrauchen, was sie selbst vermasselt haben.” Königswieser kennt alle drei Gruppen gut. Die Davoser Fraktion, die der Spitzenmanager und Konzernherren aus der allerersten Reihe, repräsentieren überwiegend - Ausnahmen bestätigen nur die Regel - die Jammerer. “Da hat man eigentlich den Eindruck wohlstandsverwahrloster Manager, die alles haben, in Incentives ertrinken und nichts damit anzufangen wissen. Sie sind zutiefst frustriert - und mit Frustrierten kann man einfach keine Veränderung machen.”

Für solche Passagen liebe ich brand eins. Schnörkellos und klar werden die Dinge auf den Punkt gebracht.

Nicht zuletzt sei an dieser Stelle auch gesagt, dass ein brand eins Artikel der Auslöser dafür war, dass Maren Hessler, Marcus Splitt und Carsten Weber nun mit dem Aufbau von Kessels & Smit, The Learning Company in Deutschland beschäftigt sind.

Fazit: brand eins wirkt!

marcussplitt

Auf der Suche nach Juwelen im Unternehmen - die Methode Appreciative Inquiry (AI) } 03.03.09

Während sich das Buch Entdecken Sie Ihre Stärken von Marcus Buckingham vor allem mit den Stärken des einzelnen Menschen beschäftigt, ist AI die konsequente Ergänzung zu einem positiven und wertschätzenden Umgang mit Menschen und Organisationen.

AI steht für Appreciative Inquiry (dt. wertschätzende Erkundung), ist von David Cooperrider 1987 in den USA entwickelt worden und konzentriert sich auf das, was in einem System schon gut läuft. Die Grundannahme dabei ist, dass “jeder Mensch, jedes Team, und jede Organisation ein viel größeres Potenzial hat, als ihnen in der Regel bewusst ist.”

Organisationen entwickeln sich immer in die Richtung dessen, worauf sie ihre Aufmerksamkeit richten und was sie untersuchen. Auch Vergangenheit und Gegenwart sind wichtig. Aus ihnen speist sich das Bild, welches Organisationen von sich machen. Vergangenheit und Gegenwart müssen in der Regel aufgewertet werden, da sich meistens die negativen Erlebnisse halten und erzählt werden. Aber es gibt eben “Momente der Freude und Facetten der Brillanz” im Unternehmen. Dinge, die auch schon früher, bzw. heute gut laufen oder gelaufen sind. Sie gilt es zu finden. Sie bilden den Grundstock, aus dem sich Positives und Kraftvolles gestalten lässt.

Mit Hilfe der AI kann ein Veränderungsprozess im Unternehmen angestoßen werden. Dieser sogenannte AI-Prozess gliedert sich in vier Phasen:

  • Discovery: Das erkunden und wertschätzen, was bereits da ist.
  • Dream: Visionieren, was sein könnte.
  • Design: Gestalten und vereinbaren, was sein soll.
  • Destiny: Planen, was künftig sein wird.

Die Teilnehmer durchlaufen jede Phase und sind auf diese Weise “im Boot” der Veränderung. Sie sind aktiv beteiligt. Hierdurch ist es auch möglich, Schwieriges ohne Angst “auf den Tisch” zu legen. In einer Atmosphäre, in der man auf der Suche nach Potenzial ist, darf auch “Klartext” geredet werden.

Selbst wenn man nicht viel Fantasie und Vorstellungsvermögen besitzt, so sollte doch einleuchten, dass dieser Ansatz ein ungeheures Potenzial für eine Organisationsanalyse hat.

Aber man muss natürlich nicht auf das Positive setzen. Man muss auch nicht wollen, dass Mitarbeiter sich einbringen, gehört werden und Verantwortung übernehmen. Man kann auch einfach weitermachen wie bisher.

marcussplitt

Positiv denken. Geht gar nicht!? } 02.03.09

Irgendwie ist der Spruch schon ziemlich abgedroschen: “Denk’ doch mal positiv.” Ich gebe zu. Wenn ich ihn höre, nicke ich bejahend und verdrehe innerlich die Augen im Kopf. Weil er mir zu platt ist.

Nun ist ein neues Buch von Dr. Barbara Fredrickson, Kenan Distinguished Professor of Psychology at the University of North Carolina at Chapel Hill, erschienen. Der Titel? Positivity. Und wenn ich der Autorin in diesem Interview zuhöre, entwickle ich große Sympathien für ihren Ansatz:

Positive Emotions via YouTube

buchtitel-positivity2“The message in my book is timely, because we are facing enormous challenges in this country, and President Obama has urged us to choose hope over fear, and my research underscores why this is such a vital choice for us, I have been able to show that fear closes down our minds and our hearts, whereas positive emotions literally open our minds and hearts. We’re going to need that openness if we are going to face the challenges with clear eyes and come up with the creative solutions that allow us to come through this difficulty even stronger than before.” (Dr. Barbara Fredrickson, 2009)

Maren Hessler

Stärke oder Defizit? } 23.02.09

Die ursprüngliche Überschrift sollte lauten: Stärkenorientierung oder Defizitorientierung? Da haben wir es. Meine Software kennt das Wort Stärkenorientierung gar nicht. Es meldet einen Rechtschreibfehler. Defizitorientierung hingegen nimmt es problemlos an. Also, die Software. Und wir alle wohl auch. Denn wir denken in Defiziten. Das ist fatal und muss aus meiner Sicht geändert werden.

Was ist eine Stärke? Marcus Buckingham bringt es in seinem Buch Entdecken Sie Ihre Stärken auf die einfache Formel: Talent x investierte Zeit = Stärke.

Ein Talent ist die Kapazität, eine bestimmte Fähigkeit gleichbleibend fast perfekt auszuüben. Trainiert man diese Fähigkeit, indem man Zeit in sie investiert, so kann aus einem Talent eine Stärke werden.
Die dahinter liegende Frage lautet: „Haben Sie an Ihrem Arbeitsplatz die Gelegenheit, das, was sie am besten können, jeden Tag zu tun?“

Jetzt höre ich schon die ersten Stimmen, dass es ja nicht sein könne, jeden Tag nur das zu tun, was einem Spaß mache! Hm, da wurde die Frage wohl nicht ganz verstanden. Aber mal ehrlich: Wie viel Defizitorientierung, wie viel Investment in das, was einem schwer fällt, rechtfertigt das Ergebnis? Eine Performance, die so lala ist?

Gerade wir in Deutschland wollen häufig an unseren Schwächen arbeiten. Und bei Feedback wollen wir „konstruktive Kritik“ üben. Man könnte dies doch auch umdrehen. Wir arbeiten und vergrößern unsere Stärken – wir nehmen das in unseren Fokus, was uns Energie gibt und nach vorne bringt.

Wie würde eine Organisation aussehen, in der Menschen nach ihren Talenten und Stärken eingesetzt würden? In welcher Mitarbeiter Workshops besuchen, die ihre Stärken vergrößern? In der Personaler zu „Detektiven“ von Talenten werden? Buckingham nennt dies „The Revolution at work!“ Ok. Das ist für unsere deutschen Ohren vielleicht ein wenig zu platt. Dennoch scheint mir dieser Ansatz wesentlich erfreulicher und förderlicher für eine nachhaltige Organisations- und Personalentwicklung zu sein als die beliebte Defizitorientierung.

Und wie sieht’s mit Euren Stärken aus? Buckingham hat mit seinen Kollegen an einem weiteren Buch gearbeitet, mit Hilfe dessen der Leser die Möglichkeit hat, im Internet sein eigenes Stärkenprofil ausfüllen. Anhand von Fragen werden die 5 Top Stärken ermittelt. Weiterhin erhält der Leser Tipps und Anregungen zu Entwicklung und zum Einsatz seiner Stärken. Natürlich wird auch jede Stärke beschrieben. Am Ende des Buches findet sich noch ein Kapitel zur Umsetzung in einer ganzen Organisation.

Sehr gerne verwende ich dieses Tool, wenn es darum geht, die Talente, Passionen und Stärken von Menschen ans Tageslicht zu befördern. Es wäre schön, wenn dieser Ansatz vermehrt Verbreitung finden würde. So wie hier zum Beispiel.

Am besten gleich bestellen:

Marcus Buckingham, Entdecken sie ihre Stärken, jetzt!

marcussplitt

Ritt aus dem Dreck } 12.02.09

Irgendwie verstehe ich das nicht. Da reiten sich Unternehmen massenweise in den Dreck und glauben, dass sie mit denselben Mitteln, die sie darein gebracht haben, auch wieder rauskommen: Kostensenkung, Kontrolle und Excel-Listen sollen die Allheilmittel in der Krise sein? Ich bezweifle dies sehr stark.

Und fühlte mich bestätigt, nachdem ich dass Buch „From Good to Great“ (dt. Der Weg zu den Besten) von Jim Collins gelesen hatte. Dieser Bestseller aus dem Jahr 2003 erlebt aus meiner Sicht gerade eine wahre Renaissance. Immer wieder findet er bei Twitter Erwähnung. Kürzlich las ihn ein Sitznachbar im Zug. Jüngst sah ich ihn auch in Johannes Kleskes aktuellem Lesestapel rot aufblitzen. Vielen ist bewusst, dass altbekannte Unternehmensführung nicht unbedingt hilfreich ist. Vielen aber auch nicht.

Um was geht’s denn nun bei Collins? Kurz gesagt: Der US- Wirtschaftswissenschaftler hat untersucht, was Spitzenunternehmen anders machen als durchschnittlich erfolgreiche Unternehmen. Gemeinsam mit seinem Forscherteam (21 Mann stark) hat er fünf Jahre damit zugebracht, die entscheidenden Faktoren zu filtern. Hier die wichtigsten Prinzipien, die er aus den Ergebnissen abgeleitet hat und die ich von der wissenschaftlichen in eine etwas griffigere Sprache überführt habe:

  1. Sunnyboys nehmt Eure Brillen ab. In Spitzenunternehmen sitzen stille, zurückhaltende, leistungswillige, fast schüchterne Menschen am Steuer. (Level 5-Führungsqualität)
  2. Nehmt die richtigen Menschen an Bord und trennt Euch konsequent von falschen. (First-Who-Prinzip)
  3. Schönreden war gestern. Realität ist heute. (Der Realität ins Auge blicken)
  4. Geht den Weg, der Euch mit Leidenschaft und Ausdauer zum Ziel führt. Nicht den Weg des herkömmlichen Kernkompetenzdenkens und Aktionismus. (Igel-Prinzip)
  5. Schafft Bürokratie und Tyrannei ab und setzt Disziplin und Fokus auf die wirklich wichtigen Dinge ein. (Kultur der Disziplin)
  6. Enterprise 2.0 ist die Zukunft. (Technologie als Beschleuniger)
  7. Denkt nachhaltig, prozessorientiert und verzettelt Euch nicht im Aktionismus. (Schwungrad und Teufelskreise)

Die Ergebnisse sind eindeutig, wenn auch im Post-Peter-Drucker’schen Zeitalter nicht wirklich revolutionär. Wie dem auch sei. Das Buch ist eindeutig lesenswert und für mich zukunftsweisend, auch was die Ausrichtung von Unternehmensberatern betrifft.

Abschließend würde mich interessieren, welche Unternehmen in Deutschland wohl zu den Spitzenunternehmen zählen? Was meint Ihr? Aus meiner Erfahrung sind dies vor allem inhabergeführte Unternehmen, die sog. „Hidden Champions“. Was mich zu einem anderen empfehlenswerten Buch führt. Dazu aber ein anderes Mal.

Maren Hessler