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    Maren Hessler

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    • Mein Name ist Maren Hessler. Ich lebe und arbeite in Frankfurt am Main. Als systemische Beraterin helfe ich Menschen und Unternehmen in Veränderungsprozessen. Seit Mitte 2008 bin ich Teil des internationalen Unternehmernetzwerkes Kessels & Smit, The Learning Company. Mein bester Shift des Lebens? Der Schritt in die Selbständigkeit.
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      The Fifth Discipline / Senge

Archiv für ‘Firma’

AI in einer Bäckerei: Der Summit } 21.12.09

Hier nun, zum Jahresende, der letzte Teil des AI-Prozesses in einer Bäckerei.

Der Summit war vorbereitet: Jetzt konnte es losgehen!

Es ist Samstag ca. 15.00h. Manche Bäcker haben nur ein paar Stunden geschlafen, nachdem sie aus der Schicht gekommen waren. Einige Verkäuferinnen kommen direkt vom Laden.

Noch etwas schüchtern und verhalten sammeln sich gut 70% der Belegschaft in der Produktionshalle, die für diesen Anlass etwas anders aussieht als sonst. Ein großer Stuhlkreis, viele Flipcharts, viele Plakate mit den Kernthemen und den Spielregeln für den Summit. Langsam werden die Plätze eingenommen, Begrüßungen und Austausch nehmen zu. Entspannen sich die Leute? frage ich mich, als ich durch die Halle gehe. Ich hoffe es, denn mit Verkrampfung lässt es sich schlecht entwickeln.

Sichtlich nervös aber begeistert eröffnet einer der Geschäftsführer die Veranstaltung: “Danke, dass sie gekommen sind. Danke, dass sie einen Teil ihrer Freizeit investieren, um gemeinsam an diesem Unternehmen zu arbeiten… ich schätze das sehr…”.

Die Atmosphäre löst sich als ich die Teilnehmer bitte, sich in 2er Gruppen einzufinden, und noch mal die guten Geschichten revue passieren zu lassen, die zu den Kernthemen geführt haben. Dabei sollten die Gesprächspartner noch mal besonders auf die belebenden Faktoren achten. Der Raum füllte sich mit einer fröhlich- nachdenklichen Atmosphäre. Hier war ich das erste Mal erleichtert. Der Summit hat begonnen!

Es folgte ein Austausch in 6er Gruppen. Die besten 3 Gesichten wurden ausgewählt und präsentiert. Die Wände füllen sich mit bunten Charts. Eine “Ausstellung des Guten” wächst.

Träumen. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Loslassen - Fantasie zulassen - nicht gleich bewerten. Das war die nächste Aufgabe der Teilnehmer. Wie sieht die Firma in x Jahren aus? Auch hier werden die Ergebnisse aus den Gruppen präsentiert, und zur “Ausstellung” hinzugefügt.

Auf dieser Grundlage wurden nun im Design-Schritt Prototypen entwickelt und vorgestellt, aus denen sich wiederum ca. 15 konkrete Maßnahmenprojekte ergaben. Am Ende der Veranstaltung bekam jeder Teilnehmer sein Projekthandbuch mit nach Hause.

Die Freude über das Ergebnis war groß, aber auch die Befürchtung, ob das alles so klappt, war spürbar. Nach dem Summit kam die Sommerpause und im Herbst wurde die Ergebnissicherung aufgenommen.

In den Bereichen Qualität, Verantwortung für Geräte und Maschinen, sowie beim Thema Veranstaltungen, konnten Ergebnisse aus dem AI-Summit sofort umgesetzt werden. Ein wichtiger weiterer Schritt.

Bis zum Frühjahr 2010, wird die neu entstandene Entwicklungsgruppe darin unterstützt, die entwickelten Maßnahmen um zu setzen. Im Frühjahr 2010 wird eine Ergebniskonferenz zeigen, wie nachhaltig die Umsetzung war. Dann nämlich werden die geplanten Maßnahmen mit der Realität verglichen. Ich bin gespannt!

marcussplitt


Shifterview: Wolfgang Gutberlet, tegut } 01.12.09

Zwischen Himmel und Erde. So habe ich mich gefühlt, als ich vor einigen Tagen mit dem tegut-Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Gutberlet , 65, im 22. Stock eines Hotels im Frankfurter Bankenviertel zusammen saß. Die Kulisse, in der wir uns an dem Abend wiederfanden, war skurril. Schließlich passen die Attribute der Bankenwelt so ganz und gar nicht zum tiefsinnigen und nachdenklichen Menschen Gutberlet.

Vielmehr lernte ich einen Mann kennen, der ohne viel Tamtam auf den Kern seines Erfolgs zu sprechen kam - ohne diesen selbstverständlich als solchen zu bezeichnen. Es fielen Sätze,wie “Die auf den Menschen zugehende Art lässt Unternehmen gut gestalten.” oder “Wir halten im Unternehmen Besinnung und arbeiten an inneren Fragen.” Was Wolfgang Gutberlet damit meint, ist im ersten Teil des Shifterviews zu sehen und zu hören:

Wolfgang Gutberlet hat aus meiner Sicht seit langem verstanden, worum es bei der Gestaltung eines erfolgreichen Unternehmens geht. Nämlich um persönliche Reife und geistiges Wachstum - gepaart mit ehrlicher Bodenständigkeit und absoluter Leidenschaft, Menschen bewegen zu wollen. Hierzu empfehle ich wärmstens folgende Sequenz:

Leider trifft man diese Art von Menschen viel zu selten in Führungspositionen. Und dabei werden sie gerade jetzt dringend gebraucht. Zwischen Himmel und Erde.

Maren Hessler

AI in einer Bäckerei: Der Sprint bis zum Summit } 23.11.09

Eine ganze Weile ist es her, dass ich über den Appreciative Inquiry-Prozess (Wertschätzende Erkundung) in der Bäckerei geschrieben habe.

Was bisher geschah, kann hier gelesen werden:

Bei AI geht es darum, die Elemente in einer Organisation zu finden die gut sind. Diese belebenden Elemente bilden die Grundlage für die Entwicklung von Lösungen, Konzepten und Handlungsweisen für die jeweilige Situation. AI arbeitet dabei partizipativ. D.h. möglichst viele Menschen aus dem System sollen beteiligt sein.

Während eines Meetings mit meinem Kunden stellt sich heraus, dass dieser sehr schnell viele weitere Treffen mit einer zuvor gebildeten Planungsgruppe vereinbaren will, und möglichst “nächste Woche” den AI-Summit veranstalten will. Dann ging alles sehr schnell und intensiv zur Sache:

Die Planungsgruppe entwickelte aus den bereits geführten und ausgewerteten Interviews fünf Kernthemen.

Kernthemen sind diejenigen Themen oder Fragen, die zu diesem Zeitpunkt in der Organisation vorherrschend sind. Zeitgleich wurde die gesamte Belegschaft durch die Geschäftsführung mit einem Brief eingeladen, am AI-Summit teilzunehmen.

Der Summit ist eine Veranstaltung, die über 1,5-3 Tage gehen kann. Hier werden die Kernthemen nach der AI Methode bearbeitet. Konkret bedeutet das: Es wird zunächst in Gruppen ausgetauscht, was von den Kernthemen schon ganz gut läuft in der Organisation. Es folgt eine Phase des Träumens: Was wäre wenn…, wo sehe ich dieses Thema in x Jahren? Hieraus ergibt sich die Frage nach Entwürfen. Auf der Grundlage dessen, was es schon gibt und was wir uns wünschen, werden Vorschläge, Entwürfe und Prototypen zu den Kernthemen entwickelt und im Plenum präsentiert. Schließlich ergeben sich hieraus konkrete Vereinbarungen zur Umsetzung. Damit ist der AI-Circle abgeschlossen: Discover, Dream, Design und Destiny greifen ineinander und ergeben ein Bild von der angestrebten Zukunft der Organisation, inklusive konkreter Maßnahmen zur Umsetzung.

Soweit der kleine Exkurs.

Nachdem die Kernthemen klar waren, der AI-Summit terminiert und die Belegschaft eingeladen, stieg die Spannung mit Blick auf den Summit.

Die Planungsgruppe bestehend aus Bäckern, Verkäuferinnen und Geschäftsführung bewältigten diese Aufgabe mit nur drei Treffen. Respekt! Der Summit soll an einem an einem Wochenende von Samstag 15.00h bis Sonntag 18.00h stattfinden. Noch am Donnerstag vor dem Summit sitze ich mit der Planungsgruppe zusammen, um die letzten Vorbereitungen abzuschließen. Zur Spannung mischt sich Vorfreude: HappyScared eben.

Es bestätigt sich die Formel, dass die Bereitschaft zu tiefgreifender Veränderung meist nur dann vorhanden ist, wenn der Leidensdruck hoch ist.

marcussplitt

Revue für postheroisches Management } 02.10.09

Postheroisches Management

Wer sich ein wenig intensiver mit dem Denken und Handeln der Vertreter neuerer Systemtheorien beschäftigen möchte, dem lege ich die Zeitschrift “Revue für postheroisches Management” ans Herz.

Ansatz ist es, Managementlehre und Praxis auf Augenhöhe zu bringen, neugierige Fragen, wie z.B. “Wie viel Klugheit steckt selbst in einem schlechten Management? Woran hat sich ein schlechter Manager, ein schlechtes Management, offensichtlich mit Erfolg bereits angepasst?” zu stellen und somit neue Impulse und Perspektiven zu geben.

Die Lektüre ist sehr anspruchsvoll und gerade deswegen ein guter Wegweiser für die Zukunft. Die Macher der Revue sind “die üblichen Verdächtigen” des Management Zentrums in Witten (MZW) - sprich Fritz B. Simon, Dirk Baecker, Rudolf Wimmer u.a.. Die Revue erscheint zeimal im Jahr, im März und September.

Zur Einstimmung ein paar Zitate von Dirk Baecker, Inhaber des Lehrstuhls Kulturtheorie und -analyse an der Zeppelin University (ZU) in Friedrichshafen und Autor des Buches Postheroisches Management :

“Vom postheroischen Management sprechen wir, weil das Heroische darin bestand, zugunsten des Gewinns von Tragik und von Komik an den einmal gesetzten Unterschieden festzuhalten. Held ist, wer entweder beeindrucken triumphiert oder großartig scheitert. Alle anderen sind bloß Beobachter, die dem Weltenlauf nichts hinzuzufügen haben, sondern allenfalls die anfallenden Arbeiten erledigen.”

“Im postheroischen Management werden die Beobachter aus ihrer passiven Rolle befreit. Sie werden zu Akteuren. Jeder ihrer Arbeitsschritte ist eine Entscheidung. Helden stören dabei nur. Helden sind Leute, die den Blick für die Gegenwart scheuen und sich stattdessen auf ihre Zukunft, ihre glorreiche Zukunft, konzentrieren.”

“Wir suchen nach einem Management, das in der Lage ist, der Gegenwart und ihren strategischen Möglichkeiten nicht auszuweichen, sondern sich ihr zu stellen.”

In diesem Sinne verabschiede ich mich mit der September-Revue ins Wochenende. Glücklich und dankbar darüber, dass meine Zeit als PR-Heldin im Kreise vieler anderer PR-Helden hinter mir liegt.

Maren Hessler

Wenn nur einer die Initiative nimmt… } 03.08.09

Egal, wo wir sind: Es gibt überall auf der Welt Menschen, die mitmachen, wenn wir wir etwas verändern wollen. “Dancing Matt” ist ein wunderbares Beispiel dafür, was passiert, wenn nur einer die Initiative nimmt.

In diesem Sinne verabschiede ich mich bis zum 24.08. und tanke ein wenig Sonne, um nach meiner Rückkehr die eine oder andere Veränderung anzuschieben.

Eine gute Sommerzeit

Maren Hessler

Spassfreie Zone Büro } 28.07.09

Letzte Woche ist ein Artikel in der FAZ zum Thema Humor im Büro erschienen. Hierin beschreibt der Redakteur Sebastian Balzter, dass Menschen am Arbeitsplatz in der jetzigen Krise nicht mehr viel zu lachen haben. Der Beitrag ist mit ein paar Zitaten von mir zu meiner Arbeit mit Bankern gespickt.

Maren Hessler

Sendepause? } 24.07.09

In den vergangenen Wochen ist es an dieser Stelle sehr ruhig gewesen. Was ist passiert? Marcus und ich haben einfach sehr viel gearbeitet. Trotz oder gerade wegen der Krise haben wir gute Kundenprojekte starten und begleiten dürfen.

Immer mehr Menschen und Unternehmen stellen fest, dass sie bei den Veränderungsprozessen Hilfe von außen benötigen. Wer sind die Menschen, die uns in den letzten Wochen beauftragt haben?

    - Privatpersonen, die den Sinn in ihrem aktuellen Job nicht mehr sehen. Mit ihnen suchen wir einen Um- oder Ausstieg.
    - Organisationsentwickler aus Konzernen und Banken, die den Auftrag haben, das Unternehmen “gesünder” zu machen. Mit ihnen experimentieren wir an menschlicheren Formen des sich Organisierens.
    - Vertriebler, die Kundenzufriedenheit und Absatz steigern wollen. Mit ihnen, ihren Kollegen und Vorgesetzten arbeiten wir gemeinsam an internen Kulturveränderungsprozessen.
    - Mittelständische Unternehmer, die innovativ bleiben und/ oder werden wollen. Mit ihnen und ihren Mitarbeitern haben wir hierarchieübergreifend kreative Suchprozesse nach Ideen gestartet.

Marcus hat sich schon in die Sommerpause verabschiedet. Meine startet im August. Vorher werde ich aber noch ein paar Beiträge posten. Versprochen.

Maren Hessler

Ein Herz für Unternehmer } 07.05.09

Ein wenig amerikanisch, aber im Kern stimmig:

via Johannes Kleske

Maren Hessler

Über den Wert von Wertschätzung in PR-Agenturen } 29.04.09

Es ist an der Zeit, den Blick einmal auf die Welt der PR-Agenturen zu richten. In den letzten Wochen kommen mir noch ungeheuerlichere Geschichten als eh schon zu Ohren. Hinter den Kulissen wird an Standortschließungen, Mitarbeiterabbau und Kostenreduktion gefeilt. Gleichzeitig formieren sich Mitarbeiter mit Hilfe ihrer Anwälte und des Betriebsrates. Wenn es denn einen gibt. Darüber hinaus prognostizieren Mitarbeiter verschiedener renommierter Agenturen die Insolvenz ihres Arbeitgebers binnen der nächsten sechs Monate. Traurig und hoffentlich nicht wahr.

Umso besser ist es, dass es auch jetzt in Krisenzeiten noch Agenturen gibt, die Positives zu vermelden haben. Für mich war es interessant, diese Erfolgsgeschichten näher zu beleuchten. Was machen erfolgreich wachsende Agenturen anders als herkömmliche Agenturen? Was kann man von ihnen lernen?

In einer Interviewreihe habe ich sechs Geschäftsführer nach den Faktoren ihres Unternehmenserfolges befragt. Ergebnis ist, dass soziale Prozesse und Wertschätzung den Unterschied machen. Ein ausführliches Thesenpapier steht beim PR Report zum Download bereit.

Für diejenigen, die keine Zeit zum Lesen haben, hier eine kurze Übersicht zur PR-Agentur der Zukunft:

Herkömmliche PR-Agentur PR-Agentur der Zukunft
Vertikales Management mittels Dekret Horizontale Führung und Entwicklung
Quantitative Ziele dominieren. Qualitative Ziele leiten.
Geschäftsführung gibt Antworten vor. Geschäftsführung stellt Fragen.
Mitarbeiter nehmen Informationen entgegen. Mitarbeiter entwickeln mit.
Mitarbeiter setzen um. Mitarbeiter unternehmen.
Führungskräfte verwalten Ergebnislisten. Führungskräfte stimulieren Ideen.
Mitarbeiter in Dauer-Meetings Mitarbeiter in Workshops
Mitarbeiter werden verwaltet. Talente werden entwickelt.
60-Stunden-Wochen Zeit für Reflexion
Regeln, Kontrolle, Missachtung Freiräume, Vertrauen, Wertschätzung
Mitarbeiter als Maschine Wissensarbeiter
Kunden, die zahlen, bestimmen. Kunden, die gut tun, bestimmen.
Intransparente Finanzen und Gehälter Transparente Finanzen und Gehälter

Maren Hessler

Brot so backen, dass es lacht! } 27.04.09

AI in einer Bäckerei. Die nächste Episode. Das erste Treffen mit der Planungsgruppe steht auf dem Programm.

Ich betrete den Raum. Der Geschäftsführer ist noch nicht anwesend. Sofort werde ich in Beschlag genommen.

“Also wirklich, Herr Splitt. Ich muss schon sagen. Ich habe mir das beim letzten Mal schon etwas anders vorgestellt”, beginnt eine Verkäuferin. “Ich dachte, wir reden jetzt mal ehrlich, woran es denn liegt…”.” Ja, genau!”, kommt es aus dem Raum zu mir herüber. “O je”, denke ich und frage mich, wie das Treffen wohl werden wird. Inzwischen ist der Geschäftsführer auch anwesend.

Kaum beginne ich mit der Moderation, prasselt ein Platzregen aus Vorschlägen, Fragen, Hinweisen und Meinungen auf mich nieder. Als es sich ausgeregnet hat, erkläre ich noch mal den Prozess und dass die Fragen, Ängste und Bedürfnisse ganz sicher Gehör finden werden.

Eine erregte Debatte darüber entsteht, wie die Bäcker gefälligst das Brot zu backen haben. “Nämlich so,”, sagt eine Verkäuferin, “dass es lacht”. Aha!

Ich lasse die Dynamik zu und beobachte eine Weile das Geschehen. Schließlich stehe ich auf. Alle schauen zu mir herüber. Ich sage: “Ich werde jetzt gehen. Wenn Sie soweit sind, finden sie mich im Büro. Sie brauchen wahrscheinlich noch etwas Zeit, bis sie ihre Anliegen ausgetauscht haben.”

Schweigen.

“Nein bleiben Sie gleich da. Unsere Zeit ist ja begrenzt.” Eine gute Einsicht, wie ich finde. Nun kann ich noch mal erklären, dass dies der Prozess der Mitarbeiter ist. Dass es großartig ist, dass die Planungsgruppe sich die Zeit nimmt und bereit ist, Kraft zu investieren. Ich lege erneut meine Rolle als Moderator dar und frage, wie die Gruppe nun weitergehen will. Ein Bäcker ergreift das Wort und wirbt dafür, sich auf den Prozess einzulassen und erstmal zu schauen, was in dem Treffen so alles zur Sprache kommt. Eine Verkäuferin pflichtet ihm bei. Langsam kehrt Ruhe ein. Ich schmunzel und versichere den Anwesenden, dass ich ihr Engagement und ihre Energie sehr schätze.

Es passiert oft, dass Missstände und Anliegen mit “es” beschrieben werden. Warum geht “es” denn nicht weiter, warum bekommen wir “es” nicht hin…. Jetzt muss mal ehrlich alles auf den Tisch… usw. Durch das Externalisieren wird deutlich: Hier passiert etwas, was ich nicht ganz greifen kann. Vielleicht hat es auch mit mir zu tun. Das könnte eventuell unangenehm für mich werden. Am besten ist es, wenn “es” schuld ist. Auf der anderen Seite der Appell, dass jetzt “mal ehrlich alles auf den Tisch muss.” Auch hier letztlich das Bedürfnis, den Schuldigen oder das Schuldige zu finden. Dann hat man, im besten Fall, einen gemeinsamen Feind, gegen den man vorgehen kann.

Es ist scheinbar leichter, alle defizitären Punkte zu sammeln. Dann weiß man, was alles nicht läuft und kann, so die Vorstellung, alles der Reihe nach abarbeiten bzw. dagegen kämpfen. Diese Dynamik wollte sich auch hier erneut einschleichen. Immer wieder ist es daher notwendig, die Haltung und die Sichtweise von AI zu erklären und an der realen Situation zu verdeutlichen.

Schließlich habe ich das Gefühl, dass die Haltung von AI, bewusst auf die belebenden Faktoren zu schauen, nun eine Verstehensbene tiefer gerutscht ist. Nun geht es darum, die Interviews auszuwerten und sowohl die belebenden Faktoren, wie auch die Wünsche (die positive Formulierung von Bedürfnissen, Defiziten und Missständen) heraus zu filtern und zu sortieren. Schnell bilden sich zwei Gruppen und die Arbeit beginnt.

Auswertung der Basisinterviews durch die Planungsgruppe

Auswertung der Basisinterviews durch die Planungsgruppe.

Die belebenden Faktoren werden sortiert. Ebenso die Wünsche. Bei der Arbeit an den Wünschen kann ich nicht mehr teilnehmen. Ich muss auf meinen Zug. “Hätten wir doch gleich zugehört…”, fängt eine Verkäuferin an. “Wie schon gesagt, dies ist Ihr Prozess. Ich begleite Sie darin. Den letzten Teil schaffen sie bestimmt sehr gut ohne meine Anwesenheit. Sie wissen ja jetzt ,wie es geht.”, gebe ich zur Antwort. “Stimmt schon,” sagt eine Bäckerin. Wir vereinbaren noch das weitere Vorgehen. Damit verabschiede ich mich und eile zu meinem Zug.

Wenn aus Betroffenen Beteiligte geworden sind, ist es wichtig, dass diese auch spüren, dass sie realen Einfluss auf den Prozess haben. Im positiven wie im negativen. Anhand des oben beschriebenen, lässt sich diese Dynamik gut darstellen. Wachsendes Bewusstsein über die realen Möglichkeiten der Gestaltung fördert das Verständnis von (Selbst)Verantwortung und diese soll ja gefördert werden. In diesem Fall geht es darum zu verstehen, dass die eigenen Interessen der einzelnen Beteiligten nicht in einem Kampf gegeneinander stehen, sondern die den Interessen innewohnende Energie zur Entwicklung des Unternehmens genutzt werden können. Das geschieht, wenn ein Weg gefunden wird, wie jeder seine Interessen einbringen kann. Es geht also um Dialog, Lernen, Hören und gemeinsames gestalten. Der AI-Prozess liefert dafür den Rahmen.

marcussplitt