Früher, als ich noch in der PR-Agenturwelt unterwegs war, war es nicht so einfach. Familie und Freunde fragten, was ich beruflich eigentlich so mache. Nun, was sollte ich sagen? „Ich sorge dafür, dass meine Kunden positiv in den Medien erscheinen und die Öffentlichkeit vom neuesten Anti-Schuppen-Shampoo erfährt.“ Also, ich fand das super. Auch wenn meine Umwelt Sinn und Unsinn dieses Jobs bis heute nicht begriffen hat. Wer kann es ihr Übel nehmen?
Heute ist es nochmals schwieriger. Denn wenn ich sage, ich bin „systemische Personal- und Organisationsentwicklerin“, schaut mich mein Gegenüber mit verständnislosem Blick an und fragt: „Kannst Du das auch auf Deutsch sagen?“
Nun gut. Da muss ich ein wenig ausholen. Es gibt eine spezielle Bewegung an Menschen, die gemeinsam Organisationen und Gesellschaft voranbringen will. Diese Menschen nennen sich „Systemiker“ und sind mit anderen Menschen auf Augenhöhe im Dialog darüber, welche beruflichen Lebenswege Sinn ergeben, welche Art von Organisationskultur und Wirtschaften menschenwürdig ist. Ihre Haltung ist es, dass Menschen die Lösungen für ihre Probleme in sich tragen. Dabei sind sie arm an Scheuklappen für sich selbst, nehmen immer wieder Abstand und fordern zum Gespräch über Verantwortung auf. Diese Menschen sind leider kaum bis gar nicht in der PR-Welt zu finden. Jedoch am Rande der HR-Welt. Einer ihrer Vordenker in Deutschland ist Bernd Schmid, Leiter des Instituts für Systemische Beratung (ISB) in Wiesloch, in dessen Schule ich durch eine Ausbildung zum Systemischen Berater meine Wurzeln habe. Gemeinsam mit einem Lehrtrainerteam gibt er seit 25 Jahren sein Wissen weiter.
Mit welchen Perspektiven und Kompetenzen wir Systemiker ausgestattet sind, welcher Methoden wir uns bedienen und in welchen Organisationszusammenhängen wir intervenieren, haben Markus Schwemmle und Bernd Schmid als Herausgeber in dem soeben erschienenen Buch „Systemisch beraten und steuern live – Modelle und Best Practices in Organisationen“ zusammen gestellt. Ich möchte dieses Buch an dieser Stelle wärmstens empfehlen.
Ach ja. Und auf die Frage “Was machst Du eigentlich?” antworte ich heute: “Ich helfe Menschen, einen sinnvollen Weg zum menschenwürdigen Arbeiten zu finden. Diese Menschen können Privatpersonen sein, die an ihrem Arbeitsplatz Probleme haben, oder Führungskräfte in Organisationen, die neue Wege suchen, ihr eigenes Potenzial und das ihrer Mitarbeiter hierarchieübergreifend zu nutzen.”
Liebe Familie, liebe Freunde, liebes Anti-Schuppen-Shampoo! Das macht einfach mehr Sinn.
Maren Hessler
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Liebe Maren, ich hab’s verstanden und es klingt sehr sinnvoll. Gerade wenn ich an meine eigene / Deine ehemalige Branche denke. Freue mich schon auf’s Shiftcamp II im Oktober mit interessanten, inspirirenden Privatpersonen und Führungskräften…
Schön beschrieben, sehr sehr treffend :-).
Und die Beschreibung eines allgemeinen Phänomens. Meine Eltern, ältere Verwandtschaft und auch ein paar Bekannte wissen immer noch nicht, was ich studiert habe oder gerade arbeite. Metzger, Bäcker, Wirte, Pfarrer, Ärzte, Friseure haben es da einfacher.
“Sach ma - du arbeitest doch bei der Post, ich brauch ma ein Händi”. mmmh - und jetzt erklär wieder mal, dass das nicht die Post sondern die Telekom ist, die sich kundenorientiert auf verschiedene Zielgruppen hin aufgestellt hat und unterschiedliche legal Units, aber auch eine operative Einheit innerhalb der AG hat, die jetzt T-Home heisst, früher aber T-Com und davor Telekom, jetzt aber als T-Home auch die T-Online inkludiert, aber als AG mit einer AG verschmolzen wurde, nun keine Legaleinheit mehr ist aber die AG als Rechtsnachfolgerin, während die T-Mobile als T-Mobile Deutschland GmbH operiert und - hallo, noch jemand da? OK - spätestens beim ShiftCamp seid ihr reif und ich erklärs nochmal