Soziales Unternehmen statt PR-Heißluftgebläse

Früher habe ich es belächelt, wenn mal wieder eine Kollegin nach jahrelangem PR-Heißluftgebläse entschied: “Ich mach’s nicht mehr. Ich brauche wieder mehr Sinn in meinem Leben. Ich kündige und fahre mit dem Rucksack nach Indien und arbeite dort ein paar Monate unentgeltlich für ein Sozialprojekt.” Diese Geschichte ist bis heute kein Einzelfall. Die PR-Agenturwelt macht’s möglich.

Nun erwische ich mich nach meinem PR-Ausstieg dabei, dass ich selbst immer stärker mit sozialen Projekten in Berührung komme. Allerdings unter anderen Vorzeichen. Denn es handelt sich nicht um die Kompensation jahrelanger beruflicher Sinnlosigkeit (Anm. Das habe ich hinter mir), sondern schlicht und einfach um persönliches Interesse am sozialen Unternehmen.

Kinder des Projekts Tshepang ("Have hope") in Johannesburg

Kinder des Projekts Tshepang ('Have hope') in Johannesburg

Grund hierfür ist das SEEtrust-Projekt meines Kollegen Paul Keursten, der als sozialer Unternehmer in Südafrika investiert. 2007 lernte Paul Susan Rammekwa in Johannesburg kennen. Susan hatte aus dem Nichts eine Tagesbetreuung für 80 Kinder von HIV/Aids-infizierten Eltern geschaffen. Die Anlaufstelle bestand zu Beginn aus einer überdachten Terrasse sowie einem kleinen Raum mit Kochstelle.

Neues Haus Tshepang Projekt

Neues Haus des Tshepang Projekts

Susans Projekt Tshepang (”Have hope”) war damals in Gefahr, weil das Land unter ihren Füßen verkauft worden war. Paul gründete SEEtrust (SEE = Social and Economical Empowerment), suchte in den Niederlanden Investoren und kaufte Susan ein Haus für die Kinderbetreuung sowie 2ha Land für den Aufbau von 70 Apartments, die für kleine, soziale Unternehmen, wie z.B. eine Bäckerei genutzt werden sollen sowie zur Vermietung und zum Verkauf bereit stehen. Soweit der Anfang eines Projekts, das täglich wächst.

Heute betreut Susan gemeinsam mit ihrem Team aus 16 Mitarbeitern täglich insgesamt 150 Kinder. Paul entwickelt das Projekt gemeinsam mit ihr, ihrem Team, Investoren, Stadtplanern und Architekten weiter. Er wird seinen Wohnsitz Ende des Jahres von den Niederlanden nach Südafrika verlegen. Was ihn antreibt? Hier entlang.

Und was habe ich damit zu tun? Anfang September werde ich mit einigen Kollegen in Johannesburg sein, um das Projekt zu unterstützen und um von den sozialen Unternehmern zu lernen. Weit weg vom PR-Heißluftgebläse.

Maren Hessler

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1 Kommentar zu “Soziales Unternehmen statt PR-Heißluftgebläse”

  1. Thilo Specht sagt:

    Hallo Maren, ich freue mich für Dich. Die Situation, von der Du sprichst, ist mir auch bekannt. Man braucht ein gewisses Frustrationspotential. Dein Schritt war definitiv richtig.
    Viele Grüße
    Thilo

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